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Nordholland

Holland? Niederlande?

Dass nicht nur wir, sondern auch Angelsachsen, Russen, Franzosen und Italiener Holland sagen, wenn sie Niederlande meinen, hat seine Ursache in der Dominanz der Provinz Holland seit alters her. Und zu Beginn des 19. Jahrhunderts waren das Königreich Holland und die Niederlande tatsächlich eins. Um die Vorherrschaft der „Holzländer“ (Waldländer) zu brechen, wurde ihr Stammgebiet, das heute großteils unter dem Meeresspiegel liegt, 1840 in Nord- und Südholland aufgeteilt.

Die Provinz Nordholland ist eine Halbinsel mit Polderlandschaft, die zusammen mit den Westfriesischen Inseln die Nordsee vom Ijsselmeer trennt. Nur die westlichste dieser Inseln, Texel, gehört zu Nordholland. Sie ist knapp 17 Quadratkilometer groß und beherbergt knapp 14.000 Einwohner, von denen die Hälfte in Den Burg leben, südlich der Inselmitte. Der höchste „Berg“ der Insel ist der ebenso genannte „Hoge Berg“ mit 15 Metern, der mit dem Insektenschutzgebiet „De Zandkuil“ eine Besonderheit besitzt. In dieser feuchten und warmen Sandkuhle gibt es seltene Bienen- und Wespenarten.

Haarlem

Obwohl Amsterdam in Nordholland liegt, ist das deutlich kleinere Haarlem, knapp zwanzig Kilometer westlich der Metropole nahe der Nordseeküste, die Hauptstadt der Provinz. Die Namensgeberin des heutigen Stadtteils Harlem in New York (zu Zeiten der niederländischen Kolonien hieß das noch „Nieuw Amsterdam“) hat knapp 150.000 Einwohner.

Die Grote Kerk

Prunkstück auf dem Großen Markt (Grote Markt) ist die Große Kirche, die „Grote Kerk“, die offiziell St.Bavo-Kirche heißt. Sie entstand zwischen dem 14. und dem 16. Jahrhundert als katholische Kathedrale, „konvertierte“ aber Ende des 16. Jahrhunderts zum Protestantismus. Als letzte Ruhestätte des Malers Frans Hals ist sie bekannt, berühmt aber als Heimstatt einer der großartigsten Orgeln der Welt. 60 Stimmen auf knapp 4.300 Pfeifen suchten zu Zeiten der Entstehung ihresgleichen. Mozart, Händel, Mendelssohn, Schubert, Liszt und manch andere musikalische Größe haben auf ihr gespielt. Herman Melville, Autor des Klassikers „Moby Dick“, beschrieb das Maul eines Pottwales so: „Beim Anblick all dieser Kolonnaden aus Knochen, die so methodisch angeordnet sind, möchte man da nicht glauben, man sei im Inneren der großen Haarlemer Orgel und bestaune ihre tausend Pfeifen?“
Um 1960 wurden zahlreiche Modifikationen, die während des 19. und des 20. Jahrhunderts vorgenommen worden waren, rückgängig gemacht. Die Legende will, dass beim Klang des mächtigen Orgelbasses der Mörtel zwischen den Mauersteinen zu vibrieren beginne.

Der holländische Gutenberg

Haarlem gilt aber auch als die Stadt der Literaten. Lange Zeit glaubte man in den Niederlanden sogar, dass ein Haarlemer den Buchdruck erfand: Laurens Janszoon Coster, der um 1400 herum lebte und Küster an der Parochialkirche war, habe wenige Jahre vor Johannes Gutenberg den Druck mit beweglichen Lettern erfunden. Auch wenn das inzwischen nicht mehr in holländischen Schulbüchern steht: Costers Denkmal steht noch immer auf dem Großen Markt, und ohne Zweifel hat Haarlem eine lange Druckertradition. Das Haarlemer Dagblatt geht, wenigstens zum Teil, auf den Haerlemse Courant zurück, der im 17. Jahrhundert erstmals gedruckt wurde.

Petten

Das Dorf Petten hinter dem gleichnamigen „Zeewering“, dem Seedamm, liegt knapp 20 Kilometer nördlich von Alkmaar und wurde in seiner langen Geschichte mehrfach von Sturmfluten und im Zweiten Weltkrieg von deutschen Truppen zerstört. Eine Steinsäule im Zentrum der 1.500-Einwohner-Gemeinde erinnert daran. Neben seiner touristischen Bedeutung ist das Dorf bekannt als Sitz des niederländischen Energieforschungszentrums ECN, das seit 1955 besteht. Ihm gehört auch ein Forschungsinstitut der EU an.

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