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Litauen
Litauen
Litauen ist etwas kleiner als Bayern und gehört zur weiten Osteuropäischen Ebene; der Aukštojas mit seinen nicht mal 294 Metern ist Litauens höchste Erhebung. "Tektonisch ruhig" nennen Geologen die Landschaft, deren Gesicht von den Eiszeiten geprägt wurde. Nur zwischen Mai und Oktober klettert das Thermometer über 10°C, und wärmer als 20°C wird es sehr selten. Dezember bis März sind frostig.
Kurze Geschichte Litauens
Litauische Fürsten waren im 14. Jahrhundert europäische Großmächte – die Einflussgebiete reichten im Süden bis zum Schwarzen Meer und im Osten weit bis nach Russland hinein –, danach geriet Litauen allerdings seinerseits unter wechselnde Fremdherrschaft: von Polen, Deutschen und Russen. Ende des 18. Jahrhunderts kam Litauen unter die Herrschaft des Zarenreiches. Es gelang allerdings nicht, Litauen vollständig zu "russifizieren", dem Volk beispielsweise die russische Sprache und Schrift aufzunötigen.
Die Universität von Wilna aus dem Jahre 1579, die Anfang des 19. Jahrhunderts eine der bedeutendsten Universitäten Europas war und mehr Studenten als Oxford hatte, wurde allerdings von den Russen geschlossen, weil man hier nicht zu Unrecht einen Nährboden der litauischen Unabhängigkeitsbewegungen vermutete.
Ein vorläufiges Ende russischer Herrschaft markierte die Gründung der Ersten Litauischen Republik nach dem Ersten Weltkrieg. Trotz der polnischen Annexion von Wilna (Hauptstadt war während dieser Zeit Kaunas) war die Zeit der Republik eine Zeit kulturellen Aufschwunges. Kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges geriet Litauen unter deutschen Einfluss, nach dem Kriegsausbruch durch den Hitler-Stalin-Pakt erneut unter russischen, genauer gesagt unter sowjetischen. 1940 zog die Rote Armee in Litauen ein. Im Zuge des Angriffs auf die Sowjetunion 1941 besetzten deutsche Truppen Litauen, bis die Rote Armee 1944 das Land zurückeroberte. Stalin versuchte erneut, durch Umsiedlung und starke Industrialisierung des bislang bäuerlichen Staates den russischen Einfluss zu zementieren. Erneuten Auftrieb bekam die litauische Unabhängigkeitsbewegung dank der Perestroika von Michail Gorbatschow in den achtziger Jahren. Seit 1990 ist Litauen unabhängig.
Wilna
Wilna (Vilnius) ist die Hauptstadt Litauens und mit 553.000 Einwohnern auch dessen größte Stadt. Der Name stammt vom Flüsschen Vilnia ("Kleine Welle"), die hier in die Neris mündet. Die barocke Altstadt, mit 360 Hektar eine der größten und besterhaltenen Europas, ist UNESCO-Weltkulturerbe. Das Wahrzeichen von Wilna ist die Ruine der Burg von Stadtgründer Gediminas aus dem 14. Jahrhundert.
Kaunas
Kaunas, 100 Kilometer westlich von Wilna gelegen, ist mit 360.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Litauens, ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt und dennoch malerisch am Zusammenfluss von Memel und Neris gelegen mit einer hübschen Altstadt und einer langen Fußgängerzone. Kultur- und Bildungsstätten gibt es zahlreiche, aber kann man auch zum Teufel gehen, oder genauer: zu den Teufeln, denn mit dem Žmuidzinavičius-Museum hat die Stadt ein Teufelsmuseum zu bieten. 3.000 Teufelsdarstellungen, geschnitzt, gegossen, gehauen – wie auch immer, Beelzebuben aus aller Welt finden sich hier in allen ihren Erscheinungsformen. Skurriles Prunkstück der Sammlung sind Hitler und Stalin als Teufel, die auf einem Berg von Totenschädeln einen Tanz aufführen.
Die Ostpreußische Sahara
Der kleine Ort Nida auf der Kurischen Nehrung ist dort mit 1.500 Einwohnern immerhin der größte. Er lebt vom Fremdenverkehr. Reizvoll ist seine Hafflage mit den umliegenden Wäldern und Heiden. Besonders die – nach der Dune du Pyla bei Arcachon – zweithöchste Düne Europas ist ein touristischer Anziehungspunkt. Die Wanderdüne, "Ostpreußische Sahara" genannt, hatte im Lauf der Geschichte den Ort immer wieder unter sich begraben und konnte erst Mitte des 19. Jahrhunderts durch Bepflanzung gebändigt werden. Auch ein Ferienhaus von Thomas Mann aus dem Jahr 1929 zieht Besucher an; heute ist es ein Museum. Und so nahe der Ostsee gibt es natürlich auch ein Bernsteinmuseum (Baltisches Meer heißt schließlich "Bernsteinmeer").

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